Die Gewinner des vom Rat für Formgebung ausgelobten Newcomer Awards ein&zwanzig wurden heute in Mailand gekürt. Der Nachwuchspreis zeichnete im Rahmen der Milan Design Week die 21 überzeugendsten Produkt- und Pro- jektideen internationaler Nachwuchsdesigner des Jahres aus. Designer Simon Frambach erhielt die höchste Auszeichnung „Best of Best“. Vom 09. – 14. April 2019 sind die Exponate aller 21 Preisträger in einer von Studiopepe konzipierten Ausstellungsarchitektur in der Via Tortona 31 zu sehen.

Dynamisches Sitzen
„Best of Best“ Gewinner unter den 824 Einreichungen ist Simon Frambach mit seinem Produkt DFC – Dynamic Folding Chair – der weltweit erste Klappstuhl, der sowohl statisches als auch dynamisches Sitzen ermöglicht. Der faltbare Stuhl reagiert dank seiner Elastizität unmittelbar auf die Bewegungen des Nutzers und bietet eine Vielzahl an Sitz- varianten. Muskeln werden bewegt und die Wirbelsäule entlastet. So verleiht Frambach der Typologie des Klappstuhls, der oftmals als „billiges“ Wegwerfprodukt produziert wird, eine neue Wertigkeit und betont: „Auch ein Klappstuhl aus Kunststoff kann nachhaltig sein – wenn er langlebig gestaltet ist, über Generationen weitergegeben wird und am Ende dieses Zyklus aus zerlegbaren und recyclebaren Komponenten besteht. Erst wenn man die Wertschöpfungsketten wirklich versteht, kann man die richtigen, überlegten Impulse setzen.“

Junge Designerinnen und Designer mit nachhaltigen Konzepten
Auch andere prämierte Arbeiten machen deutlich, dass Nachhaltigkeit nach wie vor eines der zentralen Anliegen des Designnachwuchs ist. So präsentieren die Gewinnerarbeiten unter anderem eine ganze Reihe ökologisch durchdachter Konzepte, die hier beispielhaft vorgestellt werden. Die Wiederverwendung von Materialien und die uneingeschränkte Recyclefähigkeit ist dabei ein zentraler, wiederkehrender Gestaltungsansatz: So haben beispielsweise Anna Drewes und Dario Iannone Schall absorbierende Akustik-Paneele aus gänzlich organischen Bananen- und Maulbeerbaumfasern entworfen. Die Indigopflanze verleiht ihnen eine blaue Färbung. Bambus bildet die schlichte Rahmung, die die Struktur zum Federgewicht werden lässt. „Es gibt nicht den einen richtigen Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft,“ betont die Designerin Anna Drewes. „Visionäre Strategien und spekulatives Design sind genauso wichtig, wie Materialforschung oder ein Blick auf den kulturellen Wandel.“

Einen ähnlichen Weg geht die Chinesin Youyang Song. Die Studentin der Weißensee Kunsthochschule in Berlin hat mit Cooking New Material ein Verfahren perfektioniert, mit dem Bio-Abfälle zu flexiblen, lederähnlichen Materialien verarbeitet werden können. Bananen- und Orangenschalen oder Sojamilchtrester werden mit einem natürlichen Binder zu einem Komposit-Material mit unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten verwandelt. Das Ergebnis ist ein zu 100% „no waste“-Naturprodukt mit hohem ästhetischem Anspruch, das Ausgangspunkt für unzählige Produktmöglichkeiten ist.
Jingbei Zheng, ebenfalls aus China, hat mit Rebrush Zubehör für die Küchenreinigung entwickelt. Natürliche Schwämme aus Luffa sind ein ideales Material zum Putzen und können dank der flexiblen Halterung problemlos ausgetauscht werden. Dank der eleganten Griffe deutet Zheng eine Alltagstätigkeit zu einem eigenen Ereignis um.
Die Niederländerin Laura van de Wijdeven entwickelte Fliesen, die zu 50 Prozent aus Forbo-Jutefaser bestehen, dem Abfallmaterial im Produktionsprozess von Forbo-Lino- leum. Durch die Kombination mit Gips werden die Flusen zu sehr starken Fliesen mit va- riantenreichen Mustern, die als Wand- oder Bodenverkleidung genutzt werden können. Die Israeli Gal Bulka und Ori Shifrin Anavi bedienen sich einer anderen Herangehens- weise für die nachhaltige Nutzung zur Verfügung stehender Rohstoffe. Sie bauen bei ihrer drehbaren Schreibtischleuchte auf dem Altglas des Nutzers auf: Die mit Primärformen spielende Pendelleuchte Marvin kann auf jede beliebige Weinflasche aufgestülpt werden, die damit als Standfuß funktioniert.

Nachwuchspreis mit hochkarätiger Jury
Der ein&zwanzig Award des Rat für Formgebung hat sich seit 2017 als eine maßgebliche Instanz im Bereich des internationalen Nachwuchsdesigns etabliert. Die Jury hatte dieses Jahr die Aufgabe, 824 Einreichungen aus 73 Ländern zu begutachten, 12 Prozent mehr als im Vorjahr (736 Bewerbungen). Das 15-köpfige Gremium besteht zum einen aus einer jungen Generation erfolgreicher Gestalter wie Hanne Willmann, Eva Marguerre und Marcel Besau sowie dem niederländischen Designduo Raw Color (Daniera ter Haar, Christoph Brach). Zum anderen zählen etablierte Designgrößen wie Konstantin Grcic, Nils Holger Moormann und Stefan Diez zu den Juroren. Zudem unterstützten Branchenkenner wie Barbara Friedrich, Nina Bruun und Andrej Kupetz den anspruchsvollen Auswahlprozess. „Die junge Generation von Designern hat die Zeichen der Zeit mehr als verstanden,“ so Andrej Kupetz, Juryvorsitzender und Hauptgeschäftsführer des Rat für Formgebung. „Nachhaltigkeit, Recyclefähigkeit und Langlebigkeit sind die Ausgangspunkte, auf denen die Formgestaltung heute aufbaut. Der Blick auf diese anspruchsvollen Designexperimente und -produkte macht zuversichtlich, dass wir die ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern werden.“

Weitere Informationen finden Sie unter: www.ein-und-zwanzig.de.